Die kommunale Wärmeplanung (KWP) entwickelt sich in Deutschland dynamisch weiter. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zeigen die aktuellen Auswertungen des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW), des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sowie weiterer Veröffentlichungen, dass die Umsetzung inzwischen erheblich vorangeschritten ist: Ende 2025 hatten bereits 1.359 Kommunen – rund 13 % aller Gemeinden – ihre Wärmeplanung abgeschlossen. Weitere rund 48 % befanden sich aktiv im Prozess der Erstellung. Der Anteil der Kommunen ohne dokumentierten Planungsstand ist damit spürbar gesunken.

Besonders relevant ist jedoch die Bevölkerungsdimension: Laut aktueller BBSR-Auswertung leben inzwischen rund 85 % der Bevölkerung in Kommunen mit laufender oder bereits abgeschlossener Wärmeplanung. Rund 29 % der Bevölkerung wohnen sogar bereits in Gemeinden mit fertigem Wärmeplan.

Großstädte bleiben Taktgeber der Wärmewende

Der Vorsprung der Großstädte als Vorreiter bei der Umsetzung ist seit Jahresfrist noch deutlicher sichtbar geworden. Die Großstädte stehen kurz vor der gesetzlichen Frist zum 30. Juni 2026. Entsprechend befinden sich nahezu alle großen Städte Deutschlands entweder in fortgeschrittener Planung oder bereits in der Umsetzungsphase. Viele Wärmepläne wurden politisch beschlossen oder öffentlich vorgestellt. Die Gründe für diesen zeitlichen Vorsprung und die höhere Stringenz in der Umsetzung gegenüber kleinen Gemeinden und Kommunen sind zumeist:

  • leistungsfähige Stadtwerke,
  • bessere Datenverfügbarkeit,
  • eigene Fachabteilungen,
  • Erfahrung mit Fernwärme,
  • Zugang zu Fördermitteln,
  • strategische Infrastrukturplanung.

Inzwischen verschiebt sich der Schwerpunkt zunehmend von der eigentlichen Planung hin zur konkreten Umsetzung. Themen wie der Wärmenetzausbau, die Installation von Großwärmepumpen, die Nutzung industrieller Abwärme oder Geothermie, die Netzverdichtung oder auch Genehmigungsverfahren für weitere Projekte stehen nun stärker im Mittelpunkt als die reine Bestandsanalyse.

Kleine Gemeinden hinken deutlich hinterher

Nach aktuellen KWW-Daten haben bei kleinen Kommunen unter 10.000 Einwohnern erst rund 5 % einen fertigen Wärmeplan, weitere 42 % befinden sich im Prozess. Bei der Mehrzahl der Kommunen unter 10.000 Einwohner ist der Stand nicht bekannt oder es wurde noch gar nicht mit der Ist-Analyse oder Umsetzung begonnen. Die Gründe sind auch hier oftmals dieselben und struktureller Art: nur geringe Verwaltungskapazitäten, fehlendes Fachpersonal, eingeschränkte Datengrundlagen, hohe Abhängigkeit von externen Dienstleistern und auch nur begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten und Budgets.

Gleichzeitig zeigen neue Veröffentlichungen, dass das sogenannte Konvoi-Modell inzwischen zur Standardlösung geworden ist. Mehrere Gemeinden bündeln dabei ihre Wärmeplanung, um Ausschreibungen, Datenerhebung und Gutachten gemeinsam zu organisieren. Das KWW bewertet diese Struktur mittlerweile als zentralen Erfolgsfaktor für die Umsetzung bis 2028.

Bundesländer: Baden-Württemberg bleibt Vorreiter

Baden-Württemberg profitiert nach wie vor massiv von seiner frühen gesetzlichen Verpflichtung zur Wärmeplanung seit 2020. Auch Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zählen weiterhin zu den aktivsten Ländern. Besonders NRW zeigt inzwischen nicht nur hohe Aktivitätsraten, sondern entwickelt bereits ein eigenes Monitoring-System zur Bewertung der eingereichten Wärmepläne. Bayern bleibt mit seinen sehr kleinteiligen Gemeindestrukturen und der hohen Zahl kleiner Kommunen dagegen weiterhin vergleichsweise langsam und liegt deutlich zurück. Schleswig-Holstein und Thüringen fallen dagegen durch sehr hohe Anteile „Stand unbekannt“ auf (je 65 % bzw. 70 %), obwohl gleichzeitig schon nennenswert viele Kommunen „im Prozess“ sind (307 bzw. 155), was auf stark unterschiedliche Melde-/Fortschrittsstände innerhalb der Länder hindeutet. Sachsen und Sachsen‑Anhalt unterscheiden sich deutlich in der laufenden Bearbeitung: In Sachsen‑Anhalt sind 54 % im Prozess (117 von 218) bei 40 % unbekannt, während Sachsen nur 22 % im Prozess hat, dafür jedoch einen sehr hohen Grad unbekannten Stands.

Aktualisierte Entwicklungen in der kommunalen Wärmeplanung

Neuere Auswertungen zeigen, dass Kommunikation mittlerweile ein zentraler Erfolgsfaktor der kommunalen Wärmeplanung ist. Kommunen sehen insbesondere bei Bürgerinformation, Akzeptanz, Transparenz, Beteiligung lokaler Akteure sowie der Abstimmung mit Energieversorgern und Wohnungswirtschaft große Herausforderungen. Dadurch wird die Wärmeplanung zunehmend als gesellschaftlicher Transformationsprozess verstanden und nicht mehr nur als technisches Infrastrukturprojekt.

Parallel dazu hat sich der Fachkräftemangel deutlich verschärft und entwickelt sich zu einer zentralen Bremse der Wärmewende. Besonders betroffen sind kommunale Verwaltungen, Planungsbüros, Energieversorger, Netzbetreiber sowie das Handwerk und der Anlagenbau. Damit verschiebt sich der Fokus der Diskussion von der Planung hin zur praktischen Umsetzung der Maßnahmen. Gleichzeitig tritt die kommunale Wärmeplanung in eine neue Phase ein, die stärker durch konkrete Investitionsentscheidungen geprägt ist. Viele Kommunen arbeiten inzwischen an Transformationspfaden, Wärmenetzen, Förderanträgen und Umsetzungsprioritäten. Insgesamt betrachtet hat sich die Dynamik deutlich erhöht und ist der Prozess erheblich vorangeschritten. Die entscheidenden Herausforderungen liegen nun weniger in der Planung, sondern vor allem in Finanzierung, Umsetzung, Fachkräfteverfügbarkeit, Akzeptanz sowie dem Aufbau der notwendigen Infrastruktur.

Weitere Informationen und Links:

Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) – Status quo der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) (Link)

Umsetzung der Kommunalen Wärmplanung in den Bundesländern (Quelle:

 

Bundesland

Gesamtanzahl Kommunen

Abgeschlossen (%)

Im Prozess (%)

Stand unbekannt (%)

Mitglied eines Konvois

 

Baden-Württemberg

1101

29%

38%

34%

430

 

Bayern

2056

8%

34%

59%

230

 

Berlin

1

0%

100%

0%

0

 

Brandenburg

413

4%

31%

65%

49

 

Bremen

2

100%

0%

0%

0

 

Hamburg

1

0%

100%

0%

0

 

Hessen

421

3%

44%

53%

31

 

Mecklenburg-Vorpommern

726

10%

43%

47%

336

 

Niedersachsen

941

8%

59%

33%

512

 

NRW

396

17%

66%

16%

24

 

Rheinland-Pfalz

2301

34%

38%

28%

1597

 

Saarland

52

37%

50%

14%

12

 

Sachsen

418

8%

22%

70%

46

 

Sachsen-Anhalt

218

6%

54%

40%

72

 

Schleswig-Holstein

1104

7%

28%

65%

233

 

Thüringen

624

4%

26%

70%

496

 

Deutschland

10754

16%

38%

46%

4068

 
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